Sonntag, 21. August 2016

Im Dresdner Zoo

Mit 28 Grad - sonnig bewölkt - ist heute der ideale Tag für den Zoobesuch!
Mit Hilfe des Faltblattes sind die Plätze für Fütterungen und Erklärungen leicht zu erreichen.

Bei den Pinguinen

Zuerst erlebe ich die Fütterung des Rotes Riesenkängeruhs, dann die der Löwen, der Pinguine und die Präsentation der Elefanten. Letztere finde ich besonders weiterführend. Wir erhalten Informationen zu direktem und geschütztem Kontakt zwischen Tieren und Pflegern und dem Verhalten von weiblichen und männlichen Tieren. Jetzt kann ich auch den Wandel in der Haltung von Elefanten besser nachvollziehen.

Elefant mit Selbstbeschäftigung

Den Dresdner Zoo empfinde ich als nicht so spektakulär wie den Leipziger Zoo, aber die Tiere kann ich hier öfters aus der Nähe erleben. In den Volieren entdecke ich hier wirklich einmal die angezeigten Vögel. Die Orang Utas machen mir die Freude, statt im großen Außengehe in ihrem Haus zu sein, wo ich den Umgang einer Mutter mit ihrem ein Jahr alten Kind beobachten kann. Sie scheint das Kleine regelrecht zu trainieren, indem sie immer wieder ihren Platz wechselt und das Kind so motiviert ihr - mühselig - nachzuklettern.

Kleiner Orang ....

... bei Versuchen, der Mutter hinterher zu klettern

Nach mehreren Ortswechseln nimmt die Mutter den Kleinen zu sich


Sogar ein Kola ist wach - damit habe ich gar nicht gerechnet, denn diese Tierart soll bis zu 20 Stunden schlafen.
Die ganze Atmosphäre im Zoo ist angenehm und entspannt, kein Massenandrang, obwohl Samstag ist. Vielleicht wegen des Stadtfestes oder auch wegen des heute stattfindenden Fußballspieles Dynamo Dresden gegen RB Leipzig. Von Ferne höre ich immer wieder die Stadionbesucher begeistert oder erschreckt schreien.

Futtergemeinschaft .... vorsichtig nähert sich die Krähe ...
Sie weiß, sie wird beobachtet!

Bei meiner Rückfahrt in die Stadt mit der Tram - der Zoo schließt um 18:30 -  ist die Stadt von Fans in Gelb überschwemmt, aber alle erstaunlich ruhig - ist es die Polizeipräsenz oder das gewonnene Spiel?


Die mutigen Spatzen gehören immer zu meinen Lieblingstieren 

Nach einer kurzen Pause begebe ich mich am Abend zum Stadtfest (Canaletto), das heute den zweiten Tag stattfindet. Nach Bratwurst und Puffern genieße ich noch den Blick von der Brühlschen Terrasse über die Feiernden.

Blick von der Augustusbrücke zur Brühlschen Terrasse....

.... und weiter über die Elbe


Samstag, 20. August 2016

Schloss Moritzburg und "Stroh zu Gold"

Heute ist der bislang schönster sonnige Tag. Als ich nach dem Frühstück bei 25 Grad vor dem Hotel die "Dresdner Neueste Nachrichten" lese, ist die Welt schon mal in Ordnung! Eigentlich brauchte ich bei diesem herrlichen Wetter gar nichts zu unternehmen, um vollkommen glücklich und gelöst zu sein. Die Tageszeitung schreibt heute u.a. über die Bildungserfolge Sachsens (Platz 1 im Ländervergleich). Eine kurze Notiz teilt mit, dass nur noch wenige Asylbewerber nach Sachsen kommen und blickt auf die Anschläge vor einem Jahr in Heidenau zurück. Doch die Sommerwärme lässt alle Ereignisse für mich in die Ferne rücken. Und so breche ich zu meinem Tagesziel - Schloss Moritzburg - auf.

Schloss Moritzburg - Eingangstreppe

Zunächst fahre ich mit der Straßenbahn zum Bahnhof Neustadt. Dann geht es weiter mit dem Bus 326. Nach insgesamt 45 Minuten ist Moritzburg erreicht.
Moritzburg wurde von August dem Starken als Jagdschloss gebaut. Doch er hatte nur fünf Jahre Zeit von der Fertigstellung bis zu seinem Tod, um es auch zu nutzen. Inzwischen sind wohl alle Innenräume wieder restauriert - berühmt und in Europa einmalig sind die Lederwandtapeten und das Federzimmer (Bettzeug und Baldachin aus Federn gewebt. - Diese wurden vorher zu langen Fäden verknüpft).
Es gibt keine Originaleinrichtung - auch darum nicht, weil August immer mit seinem Mobiliar anreiste. Stattdessen werden kunsthistorisch interessante Möbel aus dieser Zeit sowie Gemälde und Meißner Porzellan präsentiert.

Moritzburg - Seitenansicht vom Park aus

Besonders interessiert mich der Festsaal, denn den kenne ich aus dem deutsch - tschechischen Aschenputtelfilm. Nicht nur für mich ein Kultfilm.
Nach einer längeren Pause im Park wandere ich im Anschluss zum Fasanenschlösschen - erbaut von einem Enkel Augusts - wiederum nur für die Präsentation und nie als Wohnschloss gedacht. Es gelingt mir noch, einen der letzten Plätze in der Führung um 16:00 Uhr zu erhalten - nur so kann man das wieder hervorragend restaurierte Rokokoschlösschen besichtigen.

Fasanenschlösschen

Durch die Begegnung mit Augusts Bauten fühle ich mich animiert, mich wieder einmal mit seiner Zeit - die mir ansonsten besonders fremd ist - zu beschäftigen.
Mein großes Interesse wird aber durch die Ausstellung "Stroh zu Gold" geweckt - eine Begleitausstellung beim Fasanenschlösschen, in der gezeigt wird, wie sich die Produktion und der Handel von Strohhüten entwickelt hat (ausgehend von der Schweiz wurde auch später Sachsen ein Zentrum). Hier lernt man das wirkliche Leben der Sachsen im 18./19. Jahrhundert kennen!

In der Ausstellung. So vielfältig wurde Stroh geflochten

Kurz vor 18:00 geht mein Bus zurück in die Dresdner Innenstadt. Die Verbindung klappt vorzüglich.
Am Abend beginnt das Dresdner Stadtfest, von dem es heißt, es sei das größte Stadtfest Deutschlands.Tatsächlich kommen in den drei Folgetagen etwa 500000 Besucher.

In der Prager Straße: Die ersten Straßenkünstler stimmen auf das Stadtfest ein

Als ich vom Bahnhof durch die Prager Straße zum Hotel laufe, begegne ich schon den ersten Straßenkünstlern.

Auf dem Altmarkt werden den ganzen Abend Tanzeinlagen präsentiert

Vom Hotel aus begebe ich mich über den Altmarkt zur Augustusbrücke; Ich bin ganz beeindruckt von der Stimmung und Vielfalt des Angebotes: natürlich die üblichen Bratwurst- , Bier- , Wein-, Crepes- und Pufferstände - aber darüber hinaus auch Bühnen, auf denen Künstler kostenlos musikalische und tänzerische Beiträge liefern. Dazu (für mich) atemberaubende Fahrgestelle (Riesenräder, Kettenkarusselle etc.) - aber alles wirklich riesig und schnell. Da bekomme ich ja schon vom Zusehen Angst!

Donnerstag, 18. August 2016

Schloss Pillnitz


Von früh an ist es bereits warm. Also bestes Wetter für den Ausflug nach Pillnitz mit Gartenbesichtigung und Dampferfahrt.
Für den Hinweg nehme ich die Straßenbahnlinie 2 vom Altmark bis zur Endstation Kleinschachwitz.

Das Neue Palais Pillnitz


 Mir gefällt die Fahrt durch die Stadt, weil sie gleich ein authentisches Bild der aktuellen Lebensverhältnisse vermittelt: zunächst sanierte Plattenbauten und Hochhäuser, erst gegen Ende der Fahrt Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhundert.

Auf der Treppe des Neues Palais werden gerade ....

... hunderte von Blumentöpfen für die Sonderausstellung ...

.... im Garten des Maharadschas aufgebaut

Nach einem kurzen Fußweg erreiche ich die Fähre, die mich über die Elbe zum Schloss bringt. Als ich vor 24 Jahren hier war, konnte man das Schloss noch nicht besuchen und auch die Parkanlage war noch nicht in diesem Umfang wieder präsentabel.
Ich entscheide mich für eine 1,5 stündige  Führung um 13:00, um einen Überblick über das weitläufige Gelände zu bekommen. Die Erläuterungen sind etwas umständlich, aber insgesamt doch anregend und liebenswürdig. Doch auch die Erklärungstafeln im Schloss sind aussagekräftig.

Bergpalais



Die heutige Anlage von Schloss Pillnitz wurde so erst im 19. Jahrhundert fertiggestellt, nachdem 1818 das sich hier noch  befindliche Renaissanceschloss abbrandte. Erst danach wurde das „Neue Palais“ als Sommerresidenz der sächsischen Könige gebaut.
Noch zu Lebzeiten August des Starken wurde das Wasserpalais im chinesischen Stil errichtet. Ich lerne, dass die „Chinoiserie“ ein Stillmittel absolutistischer Machtdarstellung war. Angeregt durch erste Reiseberichte aus dem asiatischen Raum bildete sich die Vorstellung eines fremdländischen, unbeschwerten Paradieses. Diesem eiferten die absolutistischen Herrscher nach, um den Eindruck zu erzeugen, dass ihre Lebensumwelt ebenso paradiesisch sei und sie Beherrscher dieses Paradieses seien. Diese äußere Darstellung war ein zentrales Ausdrucksmittel absolutistische Macht, ja das Machtmittel selbst.

Malerei im chinesischen Stil bzw. wie dieser Stil zu Augusts Zeiten rezipiert wurde

August der Starke nutzte Schloss Pillnitz als Ort zum Spielen. Spiele waren auch darum so wichtig, weil sie eine Gegenwelt zur regulierten Hofwelt boten. „Fallspiele“, z. B. mit 5 Meter hohen Schaukeln, vermittelten ein Schwindel- und Rauschgefühl; Verkleidungsspiele erlaubten Rollentausch und Anonymität.

Im Anschluss an die Schlossführung bummele ich durch die einladenden Parkanlagen. Der letzte Dampfer zurück geht leider schon um 16:10. Beim Einsteigen herrscht unglaubliches Gedränge, denn zwei Reisegruppen schieben andere Wartende einfach beiseite.
Mit dem Dampfer zurück nach Dresden

Ich habe aber doch noch Glück mit einem Platz auf dem Oberdeck und kann so die Elbschlösser und das „Blaue Wunder“ und die umstrittene Waldschlösschenbrücke vom Wasser aus erleben.


Die Brücke "Das blaue Wunder"

Die umstrittene Waldschlösschenbrücke

Gegen 17:30 bin ich zurück. Am Abend ist es warm genug, um draußen – auf dem Neumarkt – Essen zu gehen.

Mittwoch, 17. August 2016

Dresden - vertiefte Eindrücke

Inzwischen bin ich schon drei Tage in Dresden und meine Eindrücke strukturieren und klären sich. Dafür bin ich immer wieder kreuz und quer durch die Altstadt und die innere Neustadt gewandert, habe eine Stadtführung mitgemacht und das Stadtgeschichtliche Museum besucht.


Stadtmuseum: Dresdenansicht um 1860 (noch vor dem Lipsiusbau)

Die Stadtführung erweist sich als Enttäuschung. Offensichtlich werden massenhaft Stadtführungen angeboten und immer neue Stadtführer gebraucht. Vielleicht kommen auch viele Touristen mit wenig Vorkenntnissen und geringen Erwartungen. Aus meiner Sicht ist es schwer, eine qualifizierte Stadtführung zu finden. Die Stadtführerin erwähnt kaum einmal August den Starken, sagt nichts zur Brühlschen Terrasse und erwähnt selbst die Wende nicht wirklich!

Aussicht Brühlsche Terrasse Richtung Finanzministerium


Innenhof Stadtschloss mit attraktivem Glasdach


Im Zwinger

So versuche ich die wichtigsten Entwicklungen Dresdens im Stadtmuseum nachzuarbeiten (Empfehlenswert!) und erhalte hier zumindest einen kurzen Einblick in den aktuellen Wiederaufbaustreit der letzten Jahren. Interessant finde ich auch die Bebauung des Altmarkts ("sozialistischer Klassizismus") und die Sanierung und das geplante Nutzungskonzept des Kulturpalastes, der als Leitbau der DDR Zeit gilt.

Der Goldene Reiter am Rande der Neustadt

Hauptstraße innere Neustadt


Hauptstraße innere Neustadt


Hauptstraße innere Neustadt


Dresden wird mir so immer vertrauter. Ich fotografiere viel, insbesondere ziehen mich die Baustellen an. So dokumentiere ich für mich selbst den Ist - Stand - vielleicht komme ich in einigen Jahren wieder und kann vergleichen, was aus den Baulücken geworden ist.

Hofkirche und Schloss

Auf der Brühlschen Terrasse


An der Akademie - Brühlsche Terrasse

Wilsdruffer Straße (zwischen Altmark und Zugang Richtung Neumarkt)

Montag, 15. August 2016

Dresden - erste Eindrücke nach 23 Jahren

Nach 23 Jahren besuche ich Dresden zum zweiten Mal  - wie hat sich die Stadt in diesen Jahren verändert?

Blick vom Altmarkt Richtung Kulturpalast und Frauenkirche

Damals - das war eine wunderbare Woche, in der ich bei der Schwester einer Freundin wohnte. Sie arbeitete in Dresden - war für den "Aufbau Ost" abgestellt und ich konnte von ihrer Stadtkenntnis profitieren: "Einheimischen Restaurants", eine herausragende Stadtführung bei Nacht durch engagierte Dresdner, Ausflugstipps und viele Infos zu der Stimmung und der Situation der Menschen in der Nachwendezeit.

Wiederaufbau und ....

Zerstörung 1945 (hinten rechts das Johaneum - Ruiinenreste Frauenkirche
(Quelle: Stadtmuseum)

Wie nahe dran ich damals am Puls der Stadt war und wie einmalig diese Zeit war, das wird mir jetzt noch einmal im Vergleich deutlich.
Damals bestimmten Baukräne die Silhouette - die Frauenkirche war noch eine Ruine - jetzt ....

Blick vom Johaneum (heute Verkehrsmuseum) Richtung Kreuzkirche/Altmark



Gleich nach meiner Ankunft laufe ich zum Neumarkt - und stoße auf Touristenmassen aus vielen Ländern. Es will mir nicht gelingen, an alte Eindrücke anzuknüpfen - ich muss mich neu orientieren.
Am und um den Neumarkt finden sich viele aufgebaute Gebäude, z.T. möglichst original getreu erstellt, andere lehnen sich im Stil an. Mehrere exklusive Hotels sowie ein weiter Kreis aus Restaurants bestimmen das Bild. Doch auch jetzt noch gibt es einige Baukräne und Baulücken. Offenbar ist man eifrig bemüht, diese nun möglichst schnell zu schließen.

Bildunterschrift hinzufügen


Was wird aus diesen Baulücken in den nächsten Jahren?


Zuerst begebe ich mich zur Touristeninfo am Markt, später laufe ich kreuz und quer durch die Altstadt und stoße so auf einen Infopavillion der Historischen Gesellschaft Dresden. Eine 84jährige Dame informiert dort ehrenamtlich über Bauvorhaben und den Kampf der Histor. Gesellschaft für einen möglichst original getreuen Aufbau.
Am Abend bin ich ganz schön müde - die Anreise, das Herumlaufen ... trotzdem genieße ich noch Dresden bei Abendbeleuchtung. Die Temperaturen sind angenehm, aber ich esse lieber drinnen - in einem der Restaurants am Neumarkt.

Abendstimmung Neumarkt


Neumarkt - Blick zum Johaneum - Verkehrsmuseum






Nicht nur Dresden - auch ich selbst habe mich in 23 Jahren verändert. Aus den wenigen digitalisierten Erinnerungsfotos dieser Zeit finde ich ein Bild von mir auf einem Elbedampfer und ein kaum erkennbares aus der Stadt - schon damals haben mich die Baukräne fasziniert.

Vor  23 Jahren ...